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Erwischt! Produktpirateriebericht 2025

Österreichs Zoll zieht Bilanz im Kampf gegen Produktfälschungen

Gefälschte Badeenten in Darth-Vader- oder Pikachu-Optik klingen harmlos – doch der Schein trügt. Als im Jänner 2025 im Hafen Wien zwei Container mit als Kinderspielzeug deklarierten Waren aus China geöffnet wurden, bestätigte sich nicht nur der Verdacht auf eine Markenrechtsverletzung: Eine chemische Analyse ergab, dass die Enten auch sicherheitsrechtliche Anforderungen nicht erfüllten und für Kinder ungeeignet waren. Ähnlich verlief ein Aufgriff am Flughafen Wien, wo knapp 30.000 FFP2-Masken mit gefälschter Markenkennung sichergestellt wurden – Schutzausrüstung, die ihrem Namen nicht gerecht geworden wäre. Besonders bedenklich: Im April 2025 wurden 280 gefälschte Stütz- und Kurvenrollenlager für industrielle Produktionsmaschinen aufgegriffen – sicherheitskritische Bauteile, deren Versagen in Produktionsanlagen zu Maschinenstillständen oder Personenschäden führen kann. 

Weniger Aufgriffe, bessere Kontrollen

Im Jahr 2025 verzeichnete der österreichische Zoll 3.204 Aufgriffe, aus denen 4.635 Verfahren resultierten (denn ein Aufgriff betrifft oft Fälschungen verschiedener Rechtsinhaber:innen). Insgesamt wurden 115.850 Artikel beschlagnahmt, der Warenwert belief sich auf rund 12,1 Millionen Euro – gemessen am Preis der Originalprodukte. Diese Zahlen dokumentiert der aktuelle Produktpirateriebericht des Bundesministeriums für Finanzen. 

Die Fallzahlen sind damit gegenüber dem Vorjahr deutlich zurückgegangen – um etwa 50 Prozent. Ein Rückgang, der aber nicht auf nachlassende Kontrolltätigkeit hindeutet. Im Gegenteil: Durch ein verbessertes gemeinsames Risikomanagement mit der Österreichischen Post filtert der Zoll verdächtige Sendungen zunehmend bereits vor dem formellen Zollverfahren heraus. Was nicht mehr ins Verfahren gelangt, scheint auch nicht in der Aufgriffsstatistik auf. Parallel dazu wurden frei gewordene Kapazitäten gezielt in die Kontrolle besonders risikorelevanter Warenkategorien umgelenkt – mit Erfolg: Im Luftfrachtbereich etwa konnten mit nur 385 Verfahren über 87.000 gefälschte Artikel sichergestellt werden. 
 
Von Mode bis Medikamente 

Die häufigsten Ziele von Fälschern sind nach wie vor Modeartikel: Bekleidung, Schuhe und Accessoires wie Handtaschen und Sonnenbrillen machen den Großteil der Aufgriffe aus. Gesondert zu erwähnen ist die Lage bei Medikamenten: 2025 wurden 4.012 Sendungen mit insgesamt rund 398.000 gefälschten oder illegal eingeführten Arzneimitteln beschlagnahmt – darunter potenzsteigernde Mittel, Schlaftabletten und Schmerzmittel, häufig von Privatpersonen über das Internet bestellt und per Post eingeführt. 

Der wirtschaftliche Schaden durch Produktfälschungen trifft österreichische Unternehmen unmittelbar. Laut einer Studie des EU-Amts für geistiges Eigentum (EUIPO) sind es vor allem KMU, die besonders verwundbar sind: Ihr Überlebensrisiko ist um 34 Prozent geringer, wenn ihr geistiges Eigentum verletzt wird. Für österreichische Konsumentinnen und Konsumenten wiederum bedeuten Fälschungen ein reales Sicherheitsrisiko – 97 Prozent der als gefälscht eingestuften gefährlichen Waren gehen laut EUIPO mit ernsthaften Risiken einher, von Chemikalienexposition bis hin zu Elektroschocks.  

Der Schutz von Marken und Schutzrechten ist damit nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine gesundheitspolitische Frage. Denn was harmlos aussieht, kann gefährlich sein. Das gilt für Badeenten genauso wie für Masken, Industriekomponenten oder Medikamente. 

Mehr Infos: Produktpirateriebericht 2025 des Bundesministeriums für Finanzen 

01. April 2026
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