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Studie: Frauen und Männer in Österreich patentieren nicht im gleichen Umfang

Eine gemeinsam durch das Österreichische Patentamt und das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie beauftragte Studie der Wirtschaftsuniversität Wien zum Thema „Gendered Patenting: Geschlechterunterschiede in Patentanmeldungen in Österreich“ zeigt eine beachtliche Lücke zwischen der Anzahl an Patentanmeldungen von Frauen und Männern. Für die Studie wurden nicht nur Daten des Österreichischen Patentamts verwendet, sondern auch eine Netzwerkanalyse zu den Patent- und Gebrauchsmusteranmeldungen in drei österreichischen Unternehmen im Jahr 2016 durchgeführt. Ziel dieser Studie war es, u.a. Geschlechterunterschiede bei Patentanmeldungen in Österreich aufzuzeigen. Und es sollten auch mögliche Ursachen in den Netzwerken der Unternehmen untersucht werden. Zum Beispiel, wie Personen, die an Patentanmeldungen beteiligt waren, innerhalb von Unternehmen miteinander verbunden sind.

6% der Patentanmeldungen von Frauen

Die Beteiligung von Frauen an Patentanmeldungen ist in Europa insgesamt sehr niedrig. Und Österreich belegte in einer europaweiten Studie aus dem Jahr 2001 das Schlusslicht. Während der weibliche Anteil der Patentanmelder in den übrigen europäischen Ländern zwischen 2001 und 2005 leicht steigend bzw. stabil war, zeichnete sich in Österreich ein klarer Negativtrend ab. Obwohl die Zahlen in den letzten Jahren wieder leicht gestiegen sind, bleibt der Frauenanteil dennoch sehr gering. 2016 haben 54 Frauen in Österreich ein nationales Patent angemeldet (das sind rund 6% von allen Anmeldungen, wo eine Geschlechtszuordnung möglich war). Bei den Männern waren es im Vergleich 880 Patentanmeldungen (94%). 2.060 Patente wurden von Unternehmen angemeldet. Am häufigsten patentieren Frauen in den Bereichen Biotechnologie, Pharmazie und diversen chemischen Disziplinen. Unterrepräsentiert sind sie hingegen im Maschinenbau und der Elektrotechnik.

Betriebliche Netzwerke: Frauen stehen am Rand

Technologien werden häufig in Gruppen entwickelt und dann als Patent oder Gebrauchsmuster angemeldet. Bereits die bestehende Forschung zeigt, dass Netzwerke innerhalb von Unternehmen für Patentanmeldungen relevant sind, Frauen in diesen Netzwerken jedoch weniger gut verankert sind als Männer. So zeigen auch die Ergebnisse dieser Studie, dass Frauen insgesamt eher am Rande von betrieblichen Netzwerken zu finden sind und daher grundsätzlich einen schlechteren Zugang zu Teams, die an Patentanmeldungen arbeiten, haben. Außerdem stellen Frauen laut dieser Studie praktisch nie „Brücken“ in solchen Netzwerken dar. Personen, die als „Brücken“ gelten, sind an Patentanmeldungen unterschiedlicher Personen beteiligt und verbinden somit verschiedene Gruppen miteinander. Solche Netzwerkbeziehungen ermöglichen den Informationsaustausch zwischen Individuen und Gruppen und haben große Bedeutung im Innovationsprozess. Deshalb sind gerade diese Ergebnisse zur geringen Frauenbeteiligung in Netzwerken ein besorgniserregender Befund.

Die Patentneigung von Frauen

Um die Faktoren zu bestimmen, die sich positiv bzw. negativ auf die Patentneigung von Personen auswirken, wurden qualitative Interviews sowie Fokusgruppendiskussionen mit am Anmeldeprozess beteiligten Personen, sowie mit männlichen und weiblichen ErfinderInnen geführt. Dabei zeigte sich ein generell sehr respektvolles Bild in Bezug auf ErfinderInnen. Auch gaben die meisten Frauen an, dass sie sich zu Beginn nicht zugetraut hatten, selbst ein Patent auf eine Erfindung anzumelden. Der „Mythos Patent“ hat also eine hinderliche Wirkung auf die Patentaktivität von Frauen. In fast allen Interviews mit weiblichen Teilnehmerinnen war außerdem das Bewusstsein über das Frau-Sein in einem männlichen Beruf vorhanden. Dabei wurden „Frau“ und „Technik“ im Zusammenhang mit „nicht ernst genommen werden als Frau“ und „gefährliche Konkurrentin“ thematisiert. Und der eigene Minderheitenstatus wurde in den Gesprächen immer wieder hervorgehoben.

Bild der Frau in der Technik

Trotz der steigenden Zahlen von Frauen in unterschiedlichsten Studienbereichen und allen Qualifikationsniveaus spiegelt sich diese Tendenz nicht im gleichen Maß im Bereich der Patentanmeldungen wider. Die Gründe dafür sind laut der aktuellen Studie u.a. institutionalisierte kulturelle Praktiken, aber auch das Wissen über Patente und deren Anmeldung spielen eine Rolle. Ebenso wie die institutionalisierte Unterstützung beim Patentanmeldeprozess, die Motivation und die Anerkennung der Leistung. Frauen, die zum Beispiel organisierte Unterstützung und Anerkennung bekommen, entwickeln überhaupt erst Patentneigung. Aktives Zugehen, zum Beispiel durch firmeninterne Patentabteilungen und eine motivierende betriebsinterne Umgebung, zum Beispiel durch Mentoring Programme, können dazu beitragen, die Patentneigung von Frauen künftig positiv zu beeinflussen. Es wird in Zukunft auch wichtig sein, das Bild der „Frau in der Technik“ zu stärken und vor allem auch vermehrt über Serviceangebote speziell für Frauen zu informieren. Ebenso können Vorbilder eine wichtige Rolle spielen. Deshalb wurde vom Österreichischen Patentamt 2016 erstmals im Rahmen des „Staatspreis Patent“ der „Hedy-Lamarr-Preis“ für die beste Erfinderin verliehen.

Die gesamte Studie finden Sie hier: „Gendered Patenting: Geschlechterunterschiede in Patentanmeldungen in Österreich“

04. Juni 2019
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