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Tipico italiano! Die Geschichte eines Auslandspraktikums

Anna Benetka ist Lehrling im Österreichischen Patentamt und hat Anfang dieses Jahres an einem internationalen Fachkräfteaustausch in Mailand teilgenommen. Für ganze vier Wochen durfte sie in einem jungen, italienischen Unternehmen mitarbeiten, konnte jede Menge Gelato essen und hat uns Daheimgebliebenen jetzt über ihre Erfahrungen berichtet.

Österreichisches Patentamt: Was fällt dir als erstes ein, wenn du an deine Zeit in Mailand zurück denkst?

Anna: Ich habe Freunde gewonnen! Das ist mit Abstand das Schönste, was mir in Erinnerung geblieben ist.

Österreichisches Patentamt: Sehr schön. Darüber reden wir später noch genauer. Aber zuallererst – wie genau ist es überhaupt zu deinem Auslandspraktikum gekommen?

Anna: Ich bin generell sehr interessiert an anderen Ländern, Kulturen und Sprachen und wollte von Anfang an innerhalb meiner Lehrzeit einmal ins Ausland gehen. Das war anfangs zwar etwas schwierig, da ich nicht wusste, wie das genau funktioniert. Aber durch andere Lehrlinge aus meiner Berufschulklasse habe ich erfahren, wie man sich für so etwas bewerben kann. Nachdem ich das Thema in der Arbeit mehrfach angesprochen hatte, kam das Berufspraktikum in Mailand dann auch schön langsam ins Rollen.

Österreichisches Patentamt: Erzähl doch einmal etwas über das Unternehmen, in dem du gearbeitet hast. Was war das für eine Firma und wie bist du dazu gekommen?

Anna: Der ganze Aufenthalt im Ausland lief über eine Organisation, die IFA (Internationaler Fachkräfteaustausch), welche alles für mich geregelt hat: Vom Praktikumsplatz angefangen bis zur Unterkunft, den Flügen u.v.m. Jedoch habe ich erst eine Woche vor Abflug erfahren, wie die Firma überhaupt heißt, bei der ich arbeiten werde. Ich hatte also keine Ahnung, was das Unternehmen eigentlich macht und vor allem, was ich dort machen werde. Die Firma, bei der ich dann vier Wochen gearbeitet habe, heißt „Makers Hub“. Ihr Sitz ist in einem alten Parkhaus, wo 3D-Drucker, Laser Cutter und andere Werkzeuge für junge Unternehmer, Start-ups und auch für Studenten zur Verfügung stehen. Die können sich dort einmieten und die Fläche, die Büros und die Maschinen für ihre Zwecke nutzen.

Österreichisches Patentamt: Wie ist ein typischer Arbeitstag in Mailand abgelaufen? Was waren deine Aufgaben?

Anna: Zu Beginn wurde mir einmal gezeigt, wie die Softwares für den 3D-Drucker und den Laser Cutter funktionieren. Später habe ich auch fertige Modelle designt und mit diesen Geräten dann gedruckt bzw. Dinge zuschneiden lassen. Zum Beispiel haben wir für eine Hochzeitsorganisation einen großen Buchstabenlauf aus Holz mit integrierten Lichtern angefertigt. Ich habe also wirklich auch handwerklich gearbeitet, womit ich nicht gerechnet hatte. Aber genau das hat mir dann sehr viel Spaß gemacht.

Österreichisches Patentamt: Wie waren deine Kolleginnen und Kollegen? Und wie fandest du deinen Chef?

Anna: Bei „Makers Hub“ waren immer sehr viele junge Leute und ich habe hauptsächlich mit zwei jungen Männern zusammengearbeitet. Die waren beide wirklich nett und ich habe mich sehr gut mit ihnen verstanden. Der Chef war auch ein junger und lustiger Mann, aber die Italiener sind generell sehr humorvoll, denke ich. Vor allem die Mittagspausen habe ich immer ganz interessant gefunden, da das Essen jedes Mal ein riesen Event war – typisch italienisch halt. Im Vergleich zu Österreich, wo man sich oft nur einen kleinen Salat holt, nehmen die Italiener sich richtig Zeit, richten alles her und zelebrieren das Essen jeden Tag. Ich bin mit allen Kolleginnen und Kollegen gut ausgekommen. Vor meinem Chef hatte ich allerdings ziemlichen Respekt – ich weiß nicht, warum. Ich hab ein bisschen Angst vor ihm gehabt. Italiener sind halt eher laut – mit dem muss man zurechtkommen. [lacht]

Österreichisches Patentamt: Wo hast du während deines Aufenthalts gewohnt? Und hat dir deine Unterkunft gefallen?

Anna: Ich habe in einem Apartment-Hotel gewohnt. Insgesamt waren wir 7 Mädchen aus Österreich, die bei diesem Austauschprogramm mitgemacht haben. Es gab zwei Wohnungen – eine für drei und eine für vier Personen. Ich habe mit drei anderen Mädchen in einer Wohnung gewohnt, die ziemlich klein war. Das hat mir auch im Vorhinein am meisten Sorgen gemacht. Es hat dann aber überraschend gut funktioniert. Ich habe mit einem zweiten Mädchen im Wohnzimmer geschlafen, wo sich auch die Küche befand. Die beiden anderen Mädchen hatten ein richtiges Schlafzimmer. In der Früh war es manchmal etwas schwierig, da wir alle unterschiedliche Arbeitszeiten hatten und nachdem die Küche direkt bei uns im Zimmer war, war das nicht immer ganz ideal.

Österreichisches Patentamt: Was hast du nach der Arbeit immer gemacht? Warst du auch einmal abends unterwegs oder hast auf Partys gefeiert?

Anna: Ich nicht… [lacht] kein einziges Mal. Ich habe immer von 10.00 bis 18.00 Uhr gearbeitet und da ich normalerweise sehr früh schlafen gehe, habe ich auch in Mailand abends nicht viel gemacht. Es dauerte schon, bis ich einmal zuhause war. Dann musste ich oft noch einkaufen gehen, duschen, kochen, essen… darum habe ich wirklich nichts Aufregendes gemacht. Ab und zu haben wir uns in unserer „WG“ ausgemacht, dass einer für alle kocht und dann sind wir abends zusammen gesessen und haben gemeinsam gegessen. Aber so aufregend waren die Abende eigentlich nicht. [lacht]

Österreichisches Patentamt: Du hast zu Beginn erzählt, dass du ein paar Freundschaften schließen konntest. Seid ihr noch in Kontakt?

Anna: Ja, mit einem Mädchen, das mit mir im selben Apartment gewohnt hat, habe ich mich wirklich super verstanden. Sie wohnt auch nicht so weit von mir entfernt und wir sind immer noch in Kontakt. Außerdem habe ich auch noch eine Brieffreundschaft mit einem Arbeitskollegen aus Mailand.

Österreichisches Patentamt: Wie sieht es denn mit deinem Italienisch aus? Konntest du die Sprache schon vor deiner Reise? Und wenn ja, hat sich dein italienisch dadurch verbessert?

Anna: Ja, in der Volkschule hatte ich ein wenig Italienischunterricht. Das war auf freiwilliger Basis, da wollte ich damals unbedingt hingehen. Ein bisschen Italienisch konnte ich also schon. Zusätzlich hätten wir in Mailand einen 22-stündigen Sprachkurs haben sollen, für den wir auch ein Zertifikat bekommen haben. Aber tatsächlich haben wir nicht einmal 9 Std. von diesem Kurs absolviert. Es war leider sehr schlecht organisiert. Dafür hat mir der Mailand-Aufenthalt sehr mit meinem Englisch geholfen, weil ich in der Arbeit mit meinen Kollegen immer Englisch gesprochen habe. Da wird man dann ein bisschen selbstbewusster beim Sprechen und ich glaube, das ist ja meistens eher das Problem – das mangelnde Selbstbewusstsein.

Österreichisches Patentamt: Mailand gilt ja als Modemetropole. Hast du selbst auch viel geshoppt?

Anna: Ja, sehr viel. [lacht laut] Um ehrlich zu sein, ich habe alle Rechnungen aufgehoben und mir überlegt, ob ich nachrechnen soll, wie viel ich nur fürs Shoppen ausgegeben habe. Aber dann dachte ich mir, es ist besser, wenn ich das sein lasse. [lacht]

Österreichisches Patentamt: Welcher Ort war dein Lieblingsplatz in Mailand?

Anna: Die „I Navigli di Milano“ – das sind die Kanäle von Mailand. Dort ist es sehr schön. Vor allem am Abend. Da gibt es alte Brücken und mit den Lichtern abends ist das sehr romantisch. Entlang dieser Kanäle findet man auch viele Cocktailbars und Restaurants – dort hat es mir besonders gut gefallen.

Österreichisches Patentamt: Hattest du auch ein bisschen Heimweh?

Anna: Ich war 4 Wochen am Stück weg und finde, es hat gut gepasst. Aber am Schluss habe ich mich schon sehr auf zuhause gefreut. Vor allem auf so Kleinigkeiten, wie z.B. meinen Alltag. Es klingt vielleicht komisch, aber ich hab mich schon darauf gefreut, dass ich im Österreichischen Patentamt wieder um 07.00 Uhr in der Früh anfangen kann zu arbeiten. [lacht]

Österreichisches Patentamt: Wie hat es sich für dich angefühlt, als du wieder zurück in Österreich warst?

Anna: Sehr schön! Es war zwar schon lustig in Mailand, denn wir konnten einen ganzen Monat lang in der Öffentlichkeit miteinander sprechen, ohne dass uns die Leute dort verstanden haben. [lacht] Das war schon etwas, woran ich mich wieder gewöhnen musste, als ich zurück in Österreich war. Aber ich war sehr glücklich darüber wieder zuhause zu sein. Denn wenn man so lange weg ist, sieht man schon deutlich, was man in seiner Heimat eigentlich alles hat.

Österreichisches Patentamt: Und wirst du wieder einmal nach Mailand reisen?

Anna: Vielleicht, ja. Zumindest um meine lieben Kolleginnen und Kollegen zu besuchen.

 

Das Interview mit Anna Benetka hat Christina Nettek geführt.

09. Juli 2019
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