Technologietransferbüros (oder kurz TTOs für Technology Transfer Offices) sind die Schnittstelle zwischen Labor und Markt: Sie prüfen, ob eine Erfindung, die an einer Universität oder Forschungseinrichtung gemacht wurde, wirtschaftliches Potenzial hat, kümmern sich um ihren Schutz, suchen passende Lizenzpartner in der Wirtschaft und begleiten Forschende, die selbst ein Spin-off gründen.
In einer gemeinsamen Studie haben das Europäische Patentamt (EPA), der Europäische Verband für Expertinnen und Experten im Bereich Technologietransfer (ASTP) und das Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung die Technologietransferbüros in Europa genauer untersucht. Es ist die erste europaweite Bestandsaufnahme mit Umfragedaten von mehr als 800 europäischen TTOs.
Die Studie zeigt: Die Zahl der Patentanmeldungen durch europäische Universitäten ist in den letzten zwei Jahrzehnten stark angestiegen. Betrug ihr Anteil an allen Anmeldungen 2006 noch knapp 5 %, liegt er heute bei mehr als 9 % – und damit fast gleichauf mit den USA, wo akademische Patente 9,5 % aller Anmeldungen ausmachen.
Akademische Patentanmeldungen werden wichtiger
Auch in absoluten Zahlen ist das Wachstum bemerkenswert: Kamen 2006 noch rund 3.200 europäische Patentanmeldungen von mindestens einer europäischen Forschungseinrichtung, waren es im Jahr 2025 fast 8.000 – also etwa zweieinhalbmal so viele.
Der Hauptgrund für diesen Anstieg ist die Abschaffung des Hochschullehrer:innenprivilegs in vielen Ländern: Früher gehörten Erfindungen von Universitätsprofessorinnen und -professoren ihnen persönlich und nicht der Hochschule. Gleichzeitig kam es zum Aufbau spezialisierter Strukturen: Mehr als die Hälfte der untersuchten TTOs wurde erst im Jahr 2005 oder später gegründet.
Die Umfragedaten belegen aber auch einen wachsenden Budgetdruck in den vergangenen Jahren. Transferbüros müssen dadurch strenger auswählen, welche Erfindungen geschützt und wie lange Schutzrechte aufrechterhalten werden können.
Investitionen in Technologietransfer zahlen sich aus
Laut der Studie spricht viel dafür, in Technologietransferbüros zu investieren: Sie zeigt einen klaren statistischen Zusammenhang zwischen Personal und Kommerzialisierungs-Output – sprich: Je mehr Mitarbeiter:innen im Technologietransfer tätig sind, desto mehr neue Start-ups und Spin-offs entstehen im Umfeld der Uni.
Damit aus Forschung neue Technologien für den Markt entstehen, müssen aber auch die richtigen Partner zueinanderfinden. Genau hier setzen zwei neue Werkzeuge des EPA an. Ein „Data Desk“-Dashboard macht die Patentaktivitäten öffentlicher Forschung in Europa sichtbar und lässt sich nach Land, Einrichtung und Technologie filtern. Zusätzlich wurde der „Deep Tech Finder“ (DTF) um Daten zu europäischen Forschungseinrichtungen erweitert. Das soll es der Industrie und Investorinnen bzw. Investoren erleichtern, vielversprechende Forschung und die Menschen dahinter zu entdecken.